🥱🗳️🔄 The same procedure as every election – ermüdend
„Wenn die politische Debatte nur noch daraus besteht, die AfD zu bekämpfen, das BSW zu bekämpfen, die Grünen zu bekämpfen oder die sogenannten Altparteien zu bekämpfen, dann bleibt irgendwann eine interessante Frage offen: Wann fangen wir eigentlich an, Politik zu machen?“
Ermüdend. Und vor allem: nicht zielführend.
Diesmal wird nicht nur auf die AfD „eingeschlagen“, sondern auch auf alles, was irgendwie mit dem BSW zu tun hat. Da melden sich die „wahren“ und „besorgten“ Demokraten aller Couleur zu Wort, um Deutschland – oder aktuell Sachsen-Anhalt – vor dem politischen Untergang zu bewahren.
Und natürlich findet sich für jedes Problem auch gleich der passende Schuldige.
Was mich daran zunehmend nervt: Diese Diskussionen haben kaum noch etwas mit politischer Auseinandersetzung zu tun. Es geht nicht mehr darum, welche Lösung für ein Problem die bessere ist. Es geht darum, wer zur richtigen Gruppe gehört und wer zum politischen Gegner erklärt wird.
Und das gilt leider auch für manche BSW-Anhänger. Wer eine andere Meinung vertritt, ist schnell ein Rechter, ein „Altparteien“-Freund oder gleich Teil irgendeines vermeintlichen Systems. Genau diese Art der politischen Vereinfachung kritisiert man bei anderen – und übernimmt sie dann selbst.
Als Wähler stehe ich deshalb schon seit vielen Jahren vor einem Dilemma: Wen soll man eigentlich wählen?
Eine wirkliche Partei der politischen Mitte sehe ich schon lange nicht mehr. Ich meine damit keine Partei, die irgendwie „mittig“ auftritt, sondern eine Partei, die tatsächlich versucht, unterschiedliche Interessen miteinander auszugleichen.
Eine Partei, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und soziale Sicherheit zusammen denkt. Eine Partei, die erkennt, dass Deutschland auf qualifizierte und gezielte Zuwanderung angewiesen ist, gleichzeitig aber einen funktionierenden Staat und klare Regeln bei Migration braucht.
Eine Partei, die nicht jedes Problem kleinredet – aber eben auch nicht jedes Problem zum Untergang des Abendlandes erklärt.
Eine Partei, die weder Kapitalismus noch Sozialismus zum Glaubensbekenntnis macht, sondern sich fragt, was konkret funktioniert.
Eine Partei, die technologische Entwicklungen nicht grundsätzlich verteufelt, aber auch nicht jedem Trend hinterherläuft. Die wirtschaftliche Interessen genauso ernst nimmt wie soziale Fragen. Die für innere Sicherheit steht, ohne dabei Freiheit und Bürgerrechte zu vergessen.
Kurz gesagt: Ich suche keine Partei, die in jedem Punkt meiner Meinung entspricht. Die wird es vermutlich ohnehin nicht geben.
Ich suche eine Partei, bei der ich das Gefühl habe: Hier wird noch versucht, Politik zu machen – und nicht nur Politik gegen jemanden.
Und genau deshalb ermüdet mich dieses permanente gegenseitige Niedermachen inzwischen so sehr.
