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Man kann nicht „nicht politisch“ sein (Kapitel 1)

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Was heißt es eigentlich, politisch zu sein? Meiner Meinung nach jedenfalls nicht zwingend, sich aktiv in die Politik einzumischen. Obwohl es auch da inzwischen immer mehr Lücken gibt. Menschlich verständlich, für eine Demokratie eher nachteilig. Denn Politik findet nicht nur dort statt, wo Menschen sich politisch engagieren.

Ich bin in der DDR aufgewachsen, zur Wende wurde ich 18. Erinnern kann ich mich noch, dass ich den Fall der Mauer gerade im Radio hörte, als ich beim Frühstück auf einer Baustelle saß. Ich hörte es und es bewegte mich ehrlicherweise in dem Moment nicht besonders. Mich bewegten zu dem Zeitpunkt andere, persönliche Dinge. Die Ausbildung macht mir oft keinen Spaß und die Bezahlung war schlecht. Und die Tochter des Bauherren war sehr ansehnlich. Gesellschaftliche Umbrüche erleben alle Menschen, doch nicht jeder empfindet diese als politisches Ereignis. „Im System“ hatte ich nichts auszustehen. Wir gehörten eher zu gehobenen Mittelschicht, bekamen Westpakete und urlaubten fast jedes Jahr in Ungarn. Dort gab es für mich als Kind Playmobil und Digedags-Comicbücher. Außerdem ging es einmal im Jahr in die große Stadt, nach Berlin. Dort gab es da neben „Schneejeans“ vor allem die Gelegenheit, Westfernsehen zu schauen. Zu Hause im ARD – Außer Raum Dresden – war neben dem schlechten Empfang auch das SECAM-System unseres russischen RADUGA-Fernseher ein weiterer Grund dafür, keine westlichen Medien konsumieren zu können.

Für Politik interessierte ich mich im Prinzip überhaupt nicht. Und doch eckte ich immer wieder am politischen System an. Nicht aus politischen Motiven. Meine Einstellung zum Wehrlager musste daher aus Sicht meiner Klassenleiterin sogar in meinen Zeugnis verewigt werden. Und doch sah ich mit meinem „Opa“ zusammen sehr gern den „Schwarzen Kanal“. Mein „Opa“ war erblich gesehen nicht mein Opa, doch das war mir als Kind egal. Er stammte aus Bayern, war dort selbständiger Friseurmeister gewesen. Vielleicht hatte ihn auch der 2. Weltkrieg, er hatte ein steifes Bein und einen Durchschuss am Oberkörper davon getragen – als Kind fand ich das faszinierend – dazu gebracht, in den Osten zu gehen. Meine Eltern sprachen gefühlt etwas abwertend von einem Kommunisten. Im Nachhinein denke ich jedoch, er hoffte einfach auf ein besseres politisches System in der DDR. Unterhalten habe ich mich mit ihm kaum über Politik, er äußerte sich mir gegenüber auch nie schlecht über die DDR. Wie ein Kommunist kam er mir jedenfalls nie vor.

Politisch ist jeder. Politisch war auch ich – obwohl ich mich selbst lange überhaupt nicht dafür hielt. Meine Unzufriedenheit mit der Politik äußerte sich bei mir in aufmüpfigen Verhalten bei Pflichtveranstaltungen, mit Äußerungen, die manchmal grenzwertig waren und meine Eltern dann entsprechend zu einem Termin in der Schule brachten. Man kann sich aus der Politik heraushalten. Man kann aber nicht verhindern, dass politische Entscheidungen das eigene Leben beeinflussen – und auch der Rückzug aus der Politik ist eine Haltung gegenüber dem politischen System. Selbst wenn man nicht Mitglied einer Partei ist oder an Demonstrationen teilnimmt. Das politische System begegnet uns im Alltag – ob wir es wollen oder nicht.

Während meines ersten Studiums, welches ich nicht abgeschlossen habe – rückblickend eine eher schlechte Entscheidung –, war Kommunikation für mich ein spannendes Thema. Was es immer noch ist. Bei meiner Ausbildung zum Lehrer-Seiteneinsteiger begegnet es mir nun wieder.

„Man kann nicht nicht kommunizieren.“ [1, o. S.] Ich bin mal so frei, die These von Herrn Watzlawick als Grundlage für meine politische These zu nutzen: Man kann nicht nicht politisch sein.

[1] Watzlawick, Paul: Die fünf Axiome der Kommunikation. Online verfügbar unter: https://www.paulwatzlawick.de/axiome.html (abgerufen am 06.09.2026).

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